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Wenn du deine KI verlierst

Eine reale Geschichte über ein Projekt nahe am Scheitern.

Ein wichtiges Projekt, das ich monatelang vorbereitet hatte, drohte diese Woche zu scheitern. Noch bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Und der Grund hatte nichts mit dem Projekt selbst zu tun.

Kurz zum Projekt. Thomas Mangold hatte vor einiger Zeit seine Selbstmanagement-Software, die er ProHub nannte, in Notion umgesetzt. Wirklich ein tolles Projekt, aber er wollte mehr. Er wollte es ausbauen und eine eigene Webapplikation daraus erstellen.

Und genau da kommt meine monatelange Vorbereitung ins Spiel. Ich habe ein System entwickelt, womit auch Nicht-Programmierer qualitative Software erstellen können, ohne aber die typischen Vibe-Coding-Nachteile zu haben. Sprich, auch für größere Projekte und auch so, dass die Software ohne Probleme beliebig erweitert und verändert werden kann, was ja bei reinem Vibe-Coding immer wieder ein Problem ist.

Um das an einem praktischen Beispiel zu testen, haben wir uns das Softwareprojekt von Thomas vorgenommen. Um auch ungestört arbeiten zu können, haben wir uns aus unserer gewohnten Umgebung in Wien wegbegeben, eine Wohnung in Klagenfurt gemietet und dort zweieinhalb Tage intensiv nur an dem Projekt gearbeitet. Es war hier wichtig, gemeinsam nebeneinander zu arbeiten, weil Thomas das System kennenlernen sollte und ich sehen musste, wie es für ihn funktioniert.

Letzten Dienstag war es so weit, alles war gepackt für die Anreise mit dem Zug. Kurz vorher noch einmal in meinen Claude-Account geschaut, um etwas zu kopieren. Oje, ausgeloggt! Na gut, dann halt neu einloggen mit E-Mail-Adresse, Link per Mail bekommen, draufgeklickt, und dann war sie da. Die Meldung, die mich bis heute verfolgt: „Lass uns dein Konto erstellen.“ Konto erstellen? Ich habe doch eines. Vielleicht die falsche E-Mail-Adresse eingegeben. Also noch ein Versuch. Und … dieselbe Meldung wieder.

Ich habe kurz die Desktop-App von Claude geöffnet. Ah, alles geht, ich konnte mir die Daten kopieren und dachte an einen temporären Fehler. Schau ich mir im Zug nochmal an.

So, ich war dann im Zug, öffne mein Notebook, probiere einzuloggen, nix geht, öffne die Desktop-App und … ausgeloggt. Oje oje. Na gut, dann logge ich halt hier neu ein. Also Login in der App gestartet, E-Mail bekommen, und ja, korrekt, ich bin auf die Website gekommen, die mich dann an die App weiterleiten sollte. Nur steht eben auf dieser Website, dass mein Konto erstellt werden sollte. Hm, jetzt wurde mir trotz guter Kühlung in der Westbahn ziemlich warm.

Überlege dir einmal, was wäre, wenn deine KI, die du seit Wochen, vielleicht Monaten, möglicherweise seit Jahren regelmäßig nutzt, plötzlich weg wäre. Alles, was du dort gemacht und gespeichert hast, ist plötzlich nicht mehr verfügbar. Für mich zu diesem Zeitpunkt einmal eine Horrorvorstellung.

Aber nicht nur diese Gedanken kreisten durch meinen Kopf, sondern auch das Projekt, wegen dem ich im Zug saß. Was mache ich jetzt zweieinhalb Tage mit Thomas in Klagenfurt? Maximal baden gehen, das Wetter und die Temperaturen dafür hätten ja gepasst. Naja, Galgenhumor nennt man das glaube ich.

Gut, ich hatte ja insgesamt etwas mehr als drei Stunden Zeit, um mich gedanklich darauf vorzubereiten und mir zu überlegen, wie ich es Thomas sage. Aber dann, nachdem ich wieder denken konnte und der erste Panikmodus vorbei war, ist mir der Gedanke gekommen. Genau darauf bin ich doch vorbereitet. Ich habe die letzten Wochen an meinem Second Brain gearbeitet und es aufgebaut. Genau dafür: unabhängig von äußeren Einflüssen und Anbietern zu sein. Gerade die Fable-5-Sperre hat mich da noch ein wenig mehr angespornt. Fable 5 ist das große neue Modell von Anthropic, so mächtig, dass die US-Regierung es gleich wieder gesperrt hat. So eine Sperre zeigt schlagartig, wie abhängig wir von einzelnen Anbietern sind.

Also ein Blick in mein Second Brain. Passt, alles da. Mit einer anderen E-Mail-Adresse schnell einen neuen Account angelegt, auf Pro hochgestuft, meine Skills und alle Dokumente hochgeladen. Erster Prompt rein und … wow, es klappt. Genau wie vorher bekomme ich im Chat meinen Prompt für Claude Code, um den aktuellen Stand zu analysieren. Keine halbe Stunde später lief mein System wieder, als wäre nichts gewesen.

Jetzt wollte ich ja noch sehen, ob ich mit Claude auch andere Dinge machen konnte, zum Beispiel an meinem Training weiterarbeiten und es vorbereiten. Denn das war die nächste Vorstellung in meinem Kopf: Wie sollte ich ohne mein Claude dieses Training nächsten Mittwoch abhalten können, wo ich zeige, was ich mit meinem Claude alles mache, wenn ich selbst kein Claude mehr habe? Das wäre dann für meine Verhältnisse ein ziemlich kurzes und einfaches Training geworden, aber wahrscheinlich nicht im Sinne der Teilnehmer.

Also auch hier die Dokumente hochgeladen, ausprobiert, und wow, es klappt. Es fühlt sich fast so an wie vorher. Was an Kontext noch gefehlt hat, einfach im Second Brain gesucht, hochgeladen, und fertig.

Jetzt war ich wirklich beruhigt und konnte die restliche Fahrt genießen. Denn der Versuch, auf mein Konto zuzugreifen und mit dem Support von Anthropic, der Firma hinter Claude, zu sprechen, scheiterte kläglich. Der Chatbot ist so dumm und wenig hilfreich, dass ich mich nie trauen würde, ihn meinen Kunden anzubieten. Aber das ist eine andere Sache.

Was unter dem Strich für mich jetzt einmal übrig geblieben ist: Die Skills in Claude sind Gold wert. Und ja, ich hätte diese auch mit anderen KI-Systemen nutzen können. Aber der konsequente Aufbau eigener Skills über Wochen hat dafür gesorgt, dass meine „neue“ KI mich fast so kennt wie vorher.

Um das fehlende Stück auszugleichen, lasse ich mir von wichtigen Chats immer eine Zusammenfassung als Markdown-Dokument schreiben. Aber mit dem Zusatz, dass ich auch die wichtigen Teile drinnen haben möchte: wie die Ergebnisse entstanden sind und was auch verworfen wurde. Also mehr als nur das Endergebnis. Damit ist nachvollziehbar, was die ursprünglichen Ideen waren und warum am Ende vielleicht etwas anderes rausgekommen ist, als ursprünglich geplant.

All das lege ich dann in meinem Second Brain in Obsidian ab. Dort mache ich auch meine Tagesnotizen und Tagesplanungen, und damit geht fast nichts mehr verloren. Und klar, dort wandern auch meine Angebote und weiteres hinein.

Und genau darum geht es eigentlich in meinem Training nächsten Mittwoch. Ich will dir nicht eine weitere Schulung über Claude geben, die du sonst überall bekommst. Ich will dich teilhaben lassen an dem, was Claude kann, wie ich es persönlich nutze und was ich mache, um auch ohne Claude weiterarbeiten zu können.

Wenn dich das interessiert, dann kannst du dich gerne kostenlos anmelden unter: https://www.andreasstocker.at/live-training-claude/

Das Training findet am Mittwoch, den 1. Juli, um 17:00 Uhr statt.

Ich sage es jetzt gleich: Ich wollte diesen Artikel so nicht schreiben, um auf ein Training hinzuweisen. Anders wäre es mir lieber gewesen. Aber auch das sollst du wissen: Es läuft nicht immer alles gut.

Und wenn das Thema nicht so interessant für dich ist, dann überlege dir zumindest einmal, wie abhängig oder unabhängig du von deiner IT-Umgebung bist. Wie schnell, wenn überhaupt, könntest du weiterarbeiten, wenn etwas davon komplett wegbricht?

Ach ja, und wie gut oder nicht gut das Projekt mit Thomas gelaufen ist, das erzähle ich dir in einem eigenen Post.

Bild von Andreas Stocker

Andreas Stocker

Andreas hat 25 Jahre Webagentur Erfahrung und gibt jetzt sein Wissen weiter, wie man selbst einen erfolgreichen Webauftritt umsetzt und betreut.

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